
Krankenstand & Bradford-Faktor: BGM-Kennzahlen richtig messen
Warum Kennzahlen das Fundament jedes BGM sind
Ohne Daten kein BGM – zumindest keins, das nachhaltig wirkt. Viele Unternehmen starten Gesundheitsprogramme aus dem Bauchgefühl heraus: hohe Stimmung in der Belegschaft, gefühlt viele Fehltage, Gerüchte über Fluktuation. Was fehlt, ist eine verlässliche Zahlenbasis, die zeigt, wo das Problem wirklich liegt und ob Maßnahmen etwas bringen.
Die drei wichtigsten BGM-Kennzahlen sind der **Krankenstand**, die **Fluktuationsrate** und der **Bradford-Faktor**. Der Krankenstand ergibt sich aus den krankheitsbedingten Fehltagen im Verhältnis zur Sollarbeitszeit – ausgedrückt in Prozent. Der Bundesschnitt lag 2025 laut amtlicher Statistik des Bundesgesundheitsministeriums (KM1) bei **5,66 %**. Liegt dein Wert dauerhaft darüber, ist das ein klares Signal für Handlungsbedarf. Liegt er dauerhaft darunter, wäre es naiv anzunehmen, dass alles optimal läuft – möglicherweise meldet sich niemand krank, der es sollte (Präsentismus).
Bradford-Faktor: Häufigkeit schlägt Dauer
Der Bradford-Faktor macht das sichtbar, was eine reine Fehltagsquote verschleiert: Wer dreimal kurz krank ist, belastet den Betrieb stärker als jemand, der einmal zwei Wochen ausfällt. Die Formel lautet:
**B = S² × D**
Dabei steht **S** für die Anzahl der Abwesenheitsepisoden im Betrachtungszeitraum (z. B. ein Jahr) und **D** für die gesamten Fehltage. Beispiel: Drei Krankheitsepisoden mit je zwei Tagen ergeben B = 3² × 6 = **54**. Eine einzige Erkrankung über sechs Tage ergibt B = 1² × 6 = **6**. Allgemein gültige Grenzwerte gibt es nicht; Fachliteratur und Praxis setzen die Stufen unterschiedlich. Unsere Kennzahlen-Auswertung ordnet den Wert je Person über die letzten zwölf Monate in vier feste Stufen ein: **unter 50** normal, **50–124** erhöht, **125–399** hoch, **ab 400** kritisch. Das sind Orientierungswerte – sie sagen nichts über die Ursache und ersetzen kein Gespräch.
Wichtig: Der Bradford-Faktor ist kein Sanktionsinstrument, sondern ein Frühwarnsignal. Er hilft, mögliche Belastungssituationen frühzeitig zu erkennen – bevor sie eskalieren. Werte je Person beruhen auf Krankmeldungen und sind damit Gesundheitsdaten (Art. 9 DSGVO). Gibt es einen Betriebsrat, bestimmt er bei einer solchen Auswertung mit (§ 87 Abs. 1 Nr. 6 BetrVG). Deshalb ist der Bradford-Faktor bei uns ab Werk ausgeschaltet; eingeschaltet wird er bewusst in der Kennzahlen-Dateneingabe, wenn die Grundlage geklärt ist.
Von der Tabelle zur automatischen Auswertung
Der häufigste Fehler in der Praxis: Krankenstand und Bradford-Faktor werden in Excel gepflegt – mit allen bekannten Problemen. Manuelle Eingabefehler, veraltete Exportdaten aus dem HR-System, keine historische Vergleichbarkeit. Wer monatliche Berichte erstellen will, verbringt mehr Zeit mit Datenpflege als mit Analyse.
Besser: Die Rohdaten kommen direkt aus dem HR-System – Personio, DATEV oder rexxHR – und werden automatisch ausgewertet. So entstehen Trendkurven über Quartale hinweg, Abteilungsvergleiche und frühzeitige Ausreißerhinweise, ohne dass jemand eine einzige Zahl von Hand eintippen muss. Für das Management-Reporting reichen dann wenige Klicks statt einem halben Arbeitstag.
So setzt du es um
- 1HR-System verbinden: Verbinden Sie Personio, Factorial, rexx, Lucca oder Kombo über die Schnittstelle; Sie brauchen dafür die API-Zugangsdaten Ihres HR-Systems. Ohne Schnittstelle laden Sie einen DATEV-Export als CSV- oder Excel-Datei hoch.
- 2Zeiträume und Gruppen auswerten: Die Kennzahlen zeigen jeden Monat, die letzten zwölf Monate und ganze Jahre, jeweils mit dem Vorjahr. Ab der Rolle Manager schlüsseln Sie Krankenstand und Fluktuation nach Abteilung, Standort, Kostenstelle, Geschlecht oder Altersgruppe auf; Gruppen unter fünf Personen bleiben ausgeblendet.
- 3Bradford-Faktor nur bewusst einschalten: Ab Werk ist er aus. Eingeschaltet wird er in der Dateneingabe über „Erweiterte Daten erfassen (Bradford-Faktor)“. Werte je Person sind Gesundheitsdaten (Art. 9 DSGVO); gibt es einen Betriebsrat, bestimmt er mit (§ 87 Abs. 1 Nr. 6 BetrVG) – klären Sie das vorher. EasyBGM ordnet die Werte in feste Stufen ein: unter 50 normal, 50–124 erhöht, 125–399 hoch, ab 400 kritisch. Das sind Orientierungswerte, keine Norm.
- 4Ziel für den Krankenstand setzen: Legen Sie unter Ziele ein Krankenstand-Ziel mit Ausgangswert, Zielwert und Frist an. Die Kennzahlen vergleichen Ihre Quote automatisch mit dem Bundesschnitt derselben Monate (amtliche Statistik KM1 des Bundesgesundheitsministeriums) und mit dem Vorjahr.
- 5Zahlen mit der Geschäftsführung teilen: Unter GF-Zahlen wählen Sie die Abschnitte aus und schicken sie per E-Mail – oder Sie teilen einen Link mit PIN.
Was du brauchst
- Aufwand
- unter 30 Min.
- Kosten
- 0 €
- Dauer
- 4 Wochen
- Setup
- 45 Min.
- ✓ Kein manuelles Datenpflegen mehr: HR-Daten fließen automatisch in die BGM-Auswertung ein.
- ✓ Frühwarnsystem: Häufungen von Kurzerkrankungen werden sichtbar, bevor sie zu ernsthaften Problemen werden.
- ✓ Nachweisbare Wirkung: Trendverläufe über Quartale und Jahre machen den Erfolg von BGM-Maßnahmen messbar.
- ✓ Weniger Aufwand im Reporting: Monatliche BGM-Berichte entstehen mit wenigen Klicks statt in halbtägiger Excel-Arbeit.
Förderfähig: bis 600 € steuerfrei
Als Teil eines strukturierten BGM-Prozesses ist diese Maßnahme nach § 3 Nr. 34 EStG bis 600 € pro Mitarbeitendem und Jahr steuerfrei — den Prozess bringt BGF-Kompass mit. Zertifizierte Angebote (z. B. von Upfit) bezuschusst zusätzlich die Krankenkasse nach § 20b SGB V.
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